Samstag, 20. Juni 2015

Bieterwahnsinn wegen dem Verkauf von Nokia Here - 3 Millarden Euro für die Nr. 3 der Kartendienst und Datenhersteller

Was haben Daimler, BMW, Audi, Uber, Baidu und Facebook gemeinsam? Sie waren in den letzten Jahren nicht in der Lage einen eigenen Kartendienst herzustellen. Jetzt sitzen sie bei Nokia und wollen für bis zu drei Millarden Euro den Kartendienst Here kaufen und wollen in Zukunft diesen Dienst weiterführen und das Kartenmaterial selber aktuell halten. - Analysten schätzen den Wert von Nokia Here auf zwei bis vier Millarden Euro. Nokia, so Autobild, neigt dazu den deutschen Autobauern, den Zuschlag zu geben. Eine Entscheidung wird in den kommenden Wochen erwartet.

Mit scheinbar abenteuerlichen Argumenten kommen die einzelnen Bieter auf die Idee einen Kartendienst wie Here zu kaufen. So wollen die Autobauer, laut Spiegel, die Abhängigkeit von anderen Karten-Anbietern wie Google vermeiden. 

OpenStreetMap, Here und Google Maps im direkten Vergleich. Nur OpenStreetMap kann Plätze korrekt darstellen. Abseits der Straße ist auf Here nur wenig zu entdecken.
Dabei stellt Google einzig und alleine Streetview Bilder her und bietet einen kostenlosen Routenplaner und Navigation her. Kartendaten bzw. Sat- und Luftbilder werden aus der ganzen Welt zusammengekauft oder bis vor kurzen durch Google Map Maker von Nutzern eingezeichnet. Die Daten in Deutschland kommen zum Beispiel nicht von Google sondern vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie. 

Andere Quellen sagen, dass Nokia Here eines der führenden Anbieter hochpräziser Karten für selbstfahrende Fahrzeuge wäre und es eine ideale Möglichkeit wäre einen komplett ausgebauten weltweiten Kartendienst kaufen zu wollen.

Kartendaten im Detail. Die Autobahn 8 (Irschenberg) wird nur in wenigen Punkten nicht als kurve Dargestellt. Details wie eine korrekte Ausfahrt fehlen. Reicht das für selbstfahrende Autos um korrekt in der Fahrbahn zu bleiben oder die Ausfahrt zu nehmen?
Dabei sind die Daten selbst für Deutschland und im restliche Mitteleuropa deutlich schlechter und lückenhafter als von OpenStreetMap. Straßen kennt Here aber kaum mehr. Abseits der Straße, in Wald- und Freiflächen oder in Dörfern sieht man sogar gegenüber Google Maps (GeoBasis-DE) Lücken. Es fehlen Nebenstraßen, Feld- und Waldwege im großen Maße.

Am Rursee wandert es sich am besten auf Basis von OpenStreetMap (Links) und ansatzweise noch auf Google Maps (Rechts)
Nur in wenigen Metropolen sind Gebäude eingezeichnet. Es fehlen gerne mal Nebenstraßen, Waldwege und Feldwege. Ampeln und Verkehrsschilder sind umbekannt. Auch abseits der Straße gibt es auf Here nur wenig zu erfahren. Locations, Ziele und Parkplätze sind kaum zu finden.

Abseits der größten Metropolen. wie hier in Mönchengladbach, ist die Kartensubstanz auf Here deutlich leerer und lückenhafter als auf Google Maps und OpenStreetMap
Abseits der Industrieländer sind die Daten von Nokia Here in den letzten Jahren besser geworden aber noch nicht so umfangreich wie OpenStreetMap und Google Maps. Eine hundertprozentige genaue Abdeckung aller Hauptverkehrsstraßen in Nichtindustrieländern ist ein Traum, der keines der Kartenanbieter bisher erreichen konnte. Auf dem Land ist eine Karte aus dem Buchhandel, die deutlich mehr als nur Straßen anzeigt, besser und sicherer.

Panama City im direkten Vergleich. Google Maps gewinnt vor OpenStreetMap.
Nur wenige Details aber brauchbar sieht man auf Here.
In Port Moresby ist OpenStreetMap und Google Maps am besten. 
Für Brazzaville haben alle Anbieter reichlich Daten. Für Kinshasa ist auf Here noch nicht so weit.
Was auch immer mit Nokia Here passiert, wird sich zeigen. Viel Arbeit, Geld und Geduld wird man für diesen Kartendienst mit seinen Navteq-Kartendaten auch in den nächsten Jahren aufwenden müssen um jemals das Niveau und den Umfang von Google Maps und OpenStreetMap zu erreichen. Um für die Zukunft, für selbstfahrende Autos sind die Daten, so wie sie im Internet dargestellt werden, nicht ausreichend.

Ob mann mit diesen Schritt des Kaufs von Nokia Here den Weg zu einer eigenen Lösung eines Betriebssystem, weg von Android und Apples iOS und zu einer eigenständigen Plattform gehen möchte, ist im Hinblick auf die kostenlosen Naviapps auf den Handys, der Fahrer und Beifahrer umstritten. Wer will schon nur für das Auto sein Navi aktuell halten, wenn man auf dem Handy es immer aktuell und kostenlos hat und der Beifahrer dabei Musik und Filme anschauen kann, die wenn er zuhause ist auf dem heimischen PC oder Fernseher zu ende schauen kann?

Ob man mit den Daten aus OpenStreetMap oder durch den Zukauf von Navteq (Nokia) bzw. TomTom oder es einfach selber macht, nicht besser fährt? Das würde sicherlich deutlich weniger als drei Millarden Euro kosten.

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