Samstag, 26. Mai 2012

Verschleuderte das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie Kartendaten an Google?

Ende 2011 gab es auf Google Maps ein großer Kartenupdate der Superlative. So konnte man auf einmal sämtliche kleinen und großen Straßen für Deutschland in den Karten von Google Maps erkennen. Ab diesen Zeitpunkt konnte man ernsthaft von geeigneten Daten für die Fußgängernavigation sprechen was vorher nicht die Rede war. Sogar Feldwege und kleinere Schleichwege sind in den Karten auf einmal zu sehen. Auch die Topographie, sprich das gesamten Kartenbild, wurde deutlich verbessert. Wo ein Wald ist kann man auf den Karten diesen Wald in seiner ganzen Pracht auch tatsächlich erkennen. Vorher war das nicht so deutlich zu erkennen und man begnügte sich mit den "einfachen" Daten von Naviherstellern, die sich mit Dingen abseits der Straße nicht ernsthaft beschäftigt haben. Wer braucht schon Feldwege während der Autofahrt? Auch Luftbilder sind hier neu hinzugekommen, was Google besonders gebraucht hat. Viele Luftbilder auf Google Maps waren schon über 10 Jahre alt.

Die Daten und Bild kamen vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie und das ist scheinbar nicht ganz fair im Gegensatz zur Google Konkurrenz abgelaufen. Diese Behörde ist die einzige Behörde in Deutschland die flächendeckend ab einem Maßstab von 1:100.000 topographische Kartendaten besitzt. Und hier hat man ein großes Datenpaket für Google Maps zusammen mit Luftbildern für ein paar Euro zusammengestellt.

Mitbewerber wie Eurocities (Stadtplandienst) und das norwegische Blom werfen dem Bundesamt jetzt vor, es habe die Daten verramscht und so rund 800 Millionen Euro verschenkt. 

Der Grund liegt darin, dass Google Maps die Daten der Behörde allen Benutzern der Google Maps API kostenpflichtig anbietet, dafür aber an die Behörde keine Gebühr bezahlen muss, was Konkurrenten von Google Maps machen müssten, wenn sie auch Daten vom Bundesamt erwerben würden.  Eurocities müsse 15.552 Euro pro Partner bezahlen. Man vermutet das Google aber gerade mal für alles 1,2 Millionen Euro an die Behörde bezahlt. Eurocities ist mit diesen Ramschvertrag nicht einverstanden und hat Anzeige beim Bundesrechnungshof erstattet.


Kommentar (Michael Ritz / LandkartenBLOG):

Alles in allen sind 1.2 Millionen Euro die Google für die Daten und Luftbilder bezahlt ein Geschenk für die Menge an Daten, die man hier aus öffentlicher Hand bekommt. Google Maps benutzen schätzungsweise über 30 Millionen Deutsche im Monat diesen Dienst. Das ein Anbieter, wie der Stadtplandienst, der seine Partner mit Kartenmaterial versorgt, über 15.000 Euro Lizenzgebühr für die Daten der Behörde bezahlen muss, ist dagegen Wucher sowie völlig unrealistisch - und wenn dann auch noch Google mit Google Maps API seinen Partnern diese Daten kostenlos anbietet und der Behörde nichts dafür bezahlen muss, ein dicker Eintrag ins Schwarzbuch des Bund der Steuerzahler wert und nicht zu unrecht unfair gegenüber der Konkurrenz. Wenn man schon Daten fast verschenkt, dann muss man das immer machen.




1 Kommentare:

Jens Best hat gesagt…

Öffentliche Daten gehören unter Creative Commons Lizenz allen zur Verfügung gestellt.
Dass Bundesamt muss diese Daten kostenfrei Openstreetmap zur Verfügung stellen.
PS: des Geschäftsmodell von Eurocities ist eh ausgelaufen, sieht man daran, dass die mit hauseigener Abmahnfirma arbeiten.immer mehr Websites, wie z.B. Köln.De wechseln zu openstreetmap.

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